Rollstuhltanz Weltmeisterschaft 2010 – vertreten von 21 Nationen! (10 Bilder)

Sanja Vukasinovic und Peter Schaur tanzen bei der WM für Österreich Latein

Sanja Vukasinovic und Peter Schaur tanzen bei der WM für Österreich Latein

„Mobilität beginnt im Kopf“

„Die größte Blockade liegt im Kopf ! – genauer gesagt in meinen Gedanken ! – Wenn mir das bewusst ist, sind mir Dinge möglich, die ich mir zu Zeiten vor dem Rollstuhl noch nicht einmal in meinen Träumen vorstellen konnte.“

Comipaar Latein - Rollstuhlweltmeisterschaft 2010

Comipaar Latein – Rollstuhlweltmeisterschaft 2010

Mit MS zur WM…

Dieser Satz stammt von einer jungen Frau, die aufgrund einer multiplen Sklerose Erkrankung im Rollstuhl sitzt und jetzt stolz gebackene Trägerin einer Medallie bei der am 7.November  zuende gegangenen Weltmeisterschaft des Rollstuhltanzens 2010 ist. „Das muss innerlich erst mal bei mir alles ankommen!“ waren ihre Worte zu ihren strahlenden, wie 2 Glückssterne funkenden, blauen Augen! In ihrem Rolllstuhl ist Andrea in einigen Hinsichten flexibler und mobiler, als sie es noch ohne diesen vorher zu Fuss war. Die Rollstühle wurden akrobatisch gedreht, gekippt und dynamisch rhytmisch vor- und zurückgefahren im jeweiligen Takt der mitreissenden Musik! Den Rollstuhl als kreatives Sportgerät grenzenlos einzusetzten und diese Grenzen tänzerisch zu durchbrechen! Das ist Erik + Andrea wirklich in facettenreichen Tanzvariationen vorbildlich und spektakulär gelungen!

WM Rollstuhltanzen 2010 Latein: Andrea Borrmann + Erik Machens

WM Rollstuhltanzen 2010 Latein: Andrea Borrmann + Erik Machens

Der Senkrechstart von Andrea und Erik

Andrea Borrmann hat zusammen mit ihren Partner Erik Machens erstmalig  an der Weltmeisterschaft teilgenommen und sowohl in der Standard Klasse wie auch in Latein auf Anhieb den 4. Platz im Finale belegt. Dieses Jahr wurden sie Deutsche Meister und gelten als Senkrechtstarter in der Rollstuhl-Tanzszene, die durch Erik und sie als „die Neuen“ – laut Ausage von Andrea, – so richtig aufgemischt wurde. Tanzen dort doch schon lange die sehr erfahrene „alten Hasen“!

Vom Musical zum Tanzparkett

Rollstuhltanz Andrea + ErikAndrea und Erik,- beide absolut tanzbegeistert-, haben sich bei einem integrativen Musical Tanz-Projekt „On the telly“ der Patsy & Michael Hall Foundation e.V. in Osnabrück in der gleichnamigen Tanzschule von Patsy und Michael Hull kennengelernt.  Dort sind sie beide erstmalig tänzerisch in ihrem Rollstuhl im Jahr 2009 öffentlich aufgetreten und bekamen dort auch großartige Unterstützung und Zuspruch. (Patsy und Michael Hull waren ehemals die Titelträger von den Europa-und Weltmeisterschaften über alle 10 Tänze und haben extra ober erwähnten Verein gegründet, um Menschen mit Handicaps mittels kreativen Projekten mit dem Medium Tanz zu fördern). Hier hatten Andrea und Erik die kreativen Facetten + Möglichkeiten des Rollstuhltanzes an sich und das Potential des gemeinsamen Tanzes entdeckt. Und nicht zu vergessen: die pure Freude am Tanz! Somit war der „Grundstein“  gelegt für ihre tänzerische Laufbahn neben Studium + Beruf im Amateurbereich. (Beide empfunden es als große Bereicherung, aktuell u.a. 1 x die Woche bei dem Bundestrainer Michael Webel in Hannover trainieren zu können, der auch der Präsident des Organisationskomitees des IPC (International Paralympic Committee) für die Rollstuhlweltmeisterschaft 2010 ist.)

Rollstuhlpaar Erik + Andrea

Rollstuhlpaar Erik Machens + Andrea Borrmann

Ursprünglich…

Erik ist seit der Kindheit an gelähmt, sitzt im Rollstuhl und pendelt mehrmals in der Woche zu seinem Studienplatz zur Hochschule für Gestaltung in Bielefeld. Andrea hat früher ein ganz normales Leben als „Fussgängerin“  geführt. Sie befand sich derzeit im 2. Staatsexamen als Lehramtsanwärterin für Sonderpädagogik, bis die MS ihr Leben jäh aus den Fugen gerissen hat!

Was ist „normal“ und „beweglich“?

Ist für uns „Fussgänger“ doch alles so „normal“: Dass wir Stufen, Treppen oder in die Badewanne steigen, Auto fahren, laufen usw. können, kurz gesagt: uns ganz unbehindert durch das Leben bewegen können! Eine Altbau-Wohnung im 3. Stock ohne Fahrstuhl und mit zu engen Türrahmen und eine für sich im Rollstuhl befindende Menschen einfach zu hoch angebrachte Einrichtungsküchen mit Geräten nach DIN-Norm passen da nicht in’s Konzept!  Zumindestens nicht für einen Menschen im Rollstuhl !

Beachtlich: Peter-Scharr + Sonja Vukasinovic tanzen interntional sehr erfolgreich für Österreich

Beachtlich: Peter-Scharr + Sonja Vukasinovic tanzen interntional sehr erfolgreich für Österreich

Feedback

Ich besinne mich dankbar meines intakten und funktionierenden Körpers und habe wirklich Hochachtung vor den Leistungen, was die Rollstuhltänzer uns heute bei der WM geboten haben! „Da kann sich so manch Gehender ohne Behinderung ein paar Scheiben von abschneiden, was diese Tänzer hier auf dass Parkett hinlegen!“ vernehme ich von den gebannten Zuschauern. Oder Stimmen voller Anerkennung wie diese: „Dass würde ich ja nie im Leben auch nur ohne Rolli schaffen, was die hier im Rollstuhl uns hier bieten!“ und staunend feststellend „Die meisten Menschen ohne Rolli sind nur halb so flexibel im Kopf, wie die Tänzer es in Ihren Rollstühle uns hier ganz ausgefallen an Beweglichkeit vortanzen!“
Heute unterrichtet Andrea als Sonderpädagogin an einer Schule für Kinder und Jugendliche mit Lern- und Körperbehinderungen. Darüber hinaus ist sie auch Behindertenbeauftragte und somit Ansprechpartnerin für Lehrer und Lehrerinnen, die selber eine Behindeung haben. Wer kann sich besser in diese Menschen und ihre offfenen Fragen, Wünsche, Nöte, Vorstellungen, Ideen und Erwartungen hineinversetzten, als jemand, der selber ebenfalls ein Handicap besitzt. Durch die Art und Weise, wie kreativ Andrea mit ihrer Behinderung umgeht und nun den Rollstuhl selbst schöpferisch integriert, um sich zusammen mit Erik tänzerisch auf ihre Art und Weise auszudrücken, macht Mut und hat Vorbildfunktion!

Unsere persönliche Begegnung

Nachdem ich am 6.November nun gerade die Deutsche Meisterschaft in Braunschweig der Hauptguppe S Standard gemalt hatte, freute ich mich  riesig, für mich erstmalig die Disziplin des Rollstuhltanzens kennenzulernen! Ich befand mich hier in Hannover in der ausverkauften, hoch modernen und mit Rolltreppen ausgestatteten  Conventions-Halle, um wieder malerisch live das ganze Turniergeschehen mit Aquarell und Kreide zu Papier zu bringen. Besonders inspiriert hat mich im Anschluss an das Turniergeschehen, die Tanzsportler und Sportlerinnen persönlich kennenlernen zu können! Dadurch bekam ich noch einen ganz anderen inneren  Bezug zu den Rollstuhl-Welzmeisterschaftstänzer- und Tänzerinnen. Ich danke Euch, Erik und Andrea, für Eure Begeisterung und Offenheit in unserem abendlichen und nächtlichen  Gesprächsaustausch! (Und unseren gemeinsamen Rollstuhl „After Show“ Tanz mit Dir, Andrea, mit mir als „Fussgängerin“ als Combi im Radisson Hotel morgens um 3 !)

Japan, Korea Mexiko?   – und Rollstuhlartistik so galant und schräg wie möglich!

Ich selber war ja auch noch absolut innerlich berührt, bewegt und zutiefst beeindruckt von den tänzerischen und sportlichen Hochleistungen , die sehr künstlerisch in den jeweiligen 5 Standard- und Lateintänzen umgesetzt wurden. Besonders interessant war es für mich auch zu erleben, wie individuell und unterschiedlich jedes Land ihre eigene Choreografie in und mit ihrem Rollstuhl als Sportgerät getanzt und creativ phantasievoll eingesetzt hat: So hatte z.B. das japanische Paar ganz anders den sinnlichen Tango, die verführerische Rumba oder den galanten Slow Fox interpretiert als das Paar aus Korea, Mexiko und Israel. Wenn sich schon die Rollstühle sich auf der Tanzfläche befinden,  dann ist es absolut angesagt, diese so artistisch, verrückt und ausgefallen wie möglich höchst elegant schwingend und kreiselnd im Takt einzusetzten!

Heisse Outfits….

Catrin Wedel+Simone Kaminski tanzen bei den German Classics 2011 im wunderschönen weiblichen Outfit

Catrin Wedel+Simone Kaminski tanzen bei den German Classics 2011 im wunderschönen weiblichen Outfit

Als ehemalige Mode-Designerin hat mich natürlich auch das jeweilige Turnier-Outfit der Paare fasziniert, die keine Mühe gescheut haben, sowohl ein länderspezifisches Outfit zu creieren sowie auch das Make-up und das Haarstyling dementsprechend zu gestalten. In den Latein-Disziplinen galt auch hier: Je weniger Stoff auf dem Körper desto mehr Sex-Apeal!

Man zeigt, was „Mann“ hat

Mann und Frau zeigen, was sie haben. Das  „sich zeigen“ dürfen und wollen bekommt eine andere Note und die Tänzerinnen im Rollstuhl haben ihre Weiblichkeit entdeckt: Sie zeigen im Tanz mit viel Anmut, Grazie und Harmonie ihre innere und äussere Schönheit im Dialog zu ihrem Tanzpartner, der voll und ganz zu seinem „Mann „steht, und das in entsprechender Pose umwerbend voller Sinnlichkeit seiner Dame zeigt.

Rumba - WM Rollstuhltanz 2010 "Latein" - Combipaar

Rumba – WM Rollstuhltanz 2010 „Latein“ – Combipaar

Schminke? – Kein Thema!

„Früher habe ich mich nie geschminkt, es musste schnell und praktisch sein und war auch im beruflichen Alltag für mich nicht angesagt“ sagte Andrea zu diesem Thema. Auch hatte sie vor der Entdeckung „ihres“ Rollstuhl -Tanzens eine recht umfangreiche Körperkontur. Jetzt sitzt mir eine wunderhübsche, gestylte und schlanke, aber durchtrainierte selbstbewusste und junge Frau gegenüber in einem sehr knappen blauen „Latein“ Outfit mit Fransen im Bustier Bereich.

WM Rollstuhltanzen 2010 Latein: Andrea Borrmann + Erik Machens

WM Rollstuhltanzen 2010 Latein: Andrea Borrmann + Erik Machens

Diese weiß sie bei den Bewegungen mit ihrem Oberkörper sehr gekonnt und  sinnlich  in Schwingungen zu setzen wie beispielsweise bei der erotischen Rumba, Samba oder Cha-Cha-Cha. Andrea lebt in ihrem Tanz ganz ihre weibliche Seite voller Charme und Erik lacht verschmitz von der Seite voller innerer Lebensfreude.

Sanfter Rausschmiss nach Mitternacht:

Lachend und beharlich fragt Erik immer wieder, nachdem wir stundenlang begeistert erzählen und uns austauschen, wann wir den endlich zur zum tanzen nach nebenan in die Räumlichkeit des Radisson Hotels kommen wollen. Ohne uns macht das keinen Spass! Wir können uns gar nicht loseisen, so viel gibt es an Inhalten von uns tanzbegeisterten Frauen auszutauschen! Wir geniessen noch die kalorienenreiche , aber wahnsinnig leckere Rote Grütze, als dezent der Lichtpegel abgedimmt wird: Der Wink mit dem Zaunpfal für einen freundlichen Rausschmiss! Na klar, die Servicekräfte wollen hier Schluss machen, die Zeit ist schon arg fortgeschritten und wir stellen bislang unbemerkt fest: Der große Saal ist leer und wir sind die Letzten!

Die Disco-Mucke ruft !

Erik ist happy (ich könnte ihn knuddeln für sein ansteckendes Lachen!) und bekommt uns endlich  in die Disco nach nebenan! Welch ein Anblick: Die Turniertänzer und Tänzerinnen aller Nationen von heutigen Tage, teilweise bestückt mit den entsprechende  Medallien und größtenteils in Blue Jeans + Freizeitlook, tanzen in ihren Rollstühlen und mit den Combipartnern ausgelassen Discofox und Salsa. Ja und Erik und Andrea mittendrin! Die beiden sind wie ein Fass Dymit voller sprühender Lebensfreude!!!

Ihr persönliche Erfolgrezept

Ja, das ist auch das persönliche Erfolgsrezept von Andrea und Erik! Sicherlich sind sie noch nicht ganz perfekt und werden für die kommenden Meisterschaften noch einiges trainieren. Mich hat ihre Ausstrahlung angesprochen mit dem Hauch des Ungezwungenen. Darin liegt sicher auch eine Kunst, sich diese beizubehalten auf dem Weg nach mehr Perfektion kombiniert mit der puren Freude am Tanz!
Beide hatten absolut nicht damit gerechnet, in so kurzer Zeit des gemeinsamen miteinander tanzens, Deutscher Meister zu werden. Sich darüberhinaus auch noch für die sich anschliessende Weltmeisterschaft zu qualifizieren und dort aktuell so gut abzuschneiden! Das musste innerlich erstmal „sacken“ und bewusst werden! Die beiden strahlen einfach komplett bis über beide Gesichtshälften und sind nur noch glücklich über ihren 4. Platz. Keine Spur von Verbissenheit oder gar Enttäuschung, dass es ja nur knapp vorbei ist am 3. Platz! „Diesen Part übernehmen ja schon die Tänzer aus dem Ostblock Staaten sprich Russland, Weiss-Russland, Ukraine und Polen“ erläuterte mir Andrea. „Dort sitzt ein ganz anderer Erwartungsdruck dahinter und die Paare sind in Tränen aufgelöst, wenn denn nicht eine Medallie nach dem sehr harten Training,- am besten die aus Gold,-herausspringt!“

Improvisation ade?

Mir scheint dass da wenig Raum bleibt für eine tänzerisch spielerische Leichtigkeit mit Improvisations -Experimenten zugunsten einer absoluten Perfektion bis in‘s kleinste Detail, wo nichts dem Zufall überlassen bleibt und alles bis ins kleinste Quentchen einstudiert wird.  „Improvisation ist ja alleine daher schon gefragt“, wenn  uns der Rollstuhl eines anderen Paares uns vor die Nase fährt und sprichwörtlich unsere Choreographie „durchkreuzt“! Wir müssen innehalten oder unsere Richtung unserer Choreographie ändern, um nicht zu kollidieren. Bei so vielen Paare gleichzeitig kann das auf der Fläche schon mal hin und wieder passieren! Umso wichtiger ist unser gegenseitiger Blickkontakt, zwischen Erik und mir, merkte Andrea an. Da wir nicht den Körperkontakt wie andere Tanzpaare haben, da wir beide Arme brauchen, um die Rollstühle zu bewegen, ist das noch eine größere Herausforderung!“

Was funktioniert:

„Also heisst es, die Ruhe bewahren, absolut im Takt bleiben und so nahtlos wie es geht künstlerisch improvisiert die Choreografie fortsetzen oder etwas passendes aufgreifen“. Auch bei dieser WM  gelang es Weiss-Russland, Russland, der Ukrainer und Polen Dank ihrer Perfektion, die Medaillien der ersten und  vorderen Plätze unter sich aufzuteilen mit ihren sportlich sehr annerkennenswerten Leistungen. Meinen Herzlichen Glückwunsch!
Allerdings hatte Polen leider auch bekannt gegeben, dass sie nach langen Jahren der Beteiligung in diesem Jahr vorerst das letzte Mal tänzerisch am Turniergeschen bei der Weltmeisterschaft mitgewirkt haben. Das ist schade, aber wir dem auch sei: Ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Turniere und Meisterschaften und darauf, lieben gern das eine oder ander jetzt schon vertraute Gesicht und Päarchen wiederzusehen !

„Rumba Phantasia“?

Für meine Begeisterung an dieser WM und dem ganzen Geschehen drumherum incl. der reibungslosen, aber arbeitsintensiven Organ vor + hinter den Kulissen fehlen mir einfach die Worte: Diese habe ich erst später wieder gefunden  in dieser Form meines Blogs. Aber dafür bin ich ja Live Malerin und bringe per Farbe und Pinsel meine Emotionen zu Papier, ganz spontan, schnell und frei ohne nachzudenken. Dafür bleibt mir keine Zeit, da die einzelnden Tänzer nur ultraknapp auf dem Parkett zu sehen sind. Einen Teil meiner Bilder  lasse ich so stehen in dieser spontanen Strichführung. Bei anderen fehlt dann auch mal ein Kopf oder Bein. Dieses arbeite ich dann noch nach und ergänze das fehlende aus der Erinnerung. Oder es bleibt so wie es ist und heisst: „Musik zuende“ oder „Rumba Phantasia“!

Duo oder Combi?

Die Zusammensetzung der einzelnden Paare bestehen sowohl aus Duo-Paare, das sind 2 Personen jeweils im Rollstuhl, sowie auch die Combi-Paare. Das wiederum  ist ein „Fussgänger“ und eine Person im Rollstuhl. Auch die Schwere der Behinderung wird durch ein spezielles Punktesystem berücksichtigt, nachdem bei einer sportmedizinische Untersuchung die individuelle und spezifische Beweglichkeit und den Grad der Behinderung und daraus resultierenden Einschränkung festgestellt wurde. Daher die Bezeichnung und der Chancen Gleichhaltshalber die Klassen Einteilung in „LDW1“-stärker bis sehr stark gehändicapt- oder „LDW2“-gehändicapt aber mit mehr Beweglichkeitsmöglichkeiten gegenüber LDW1.
Ein -„geht nicht! – gibt es nicht!“ sagt hierzu Andrea Borrmann. Sie als selber sich im Rollstuhl befindene Tänzerin muss es wissen! „Es können sogar Menschen mit Schwerstbehinderung am Tanzsport teilnehmen. Schliesslich gibt es Elekro-Rollstühle!“.  „Das was zählt, ist der innere Wille! Dann findet sich auch ein Weg, die Sache „sprichwörtlich „in’s Rollen zu bringen!“ Gesagt getan! Eigeninitiative ist gefragt – die Mobilität beginnt sozusagen im Kopf! Andrea öffnet mir durch unsere Gespräch Sichtweisen, die sich auch auf das Leben ohne Rollstuhl übertragen lassen.

Noch kein Rollstuhltanz in unserem Club?

Interessanterweise habe ich festgestelt, dass es zunehmend mehr Tanzclubs gibt, die die Sparte Rollstuhltanzen anbieten. Sie sind zwar noch arg in der Minderheit, doch ich wünsche mir, das der Rollstuhltanzsport immer mehr in’s Licht der Öffentlichkeit rückt und mehr Beachtung erfährt. Ist es doch die Botschaft der Turnierrollstuhltänzer, dass mehr Rollifahrer Spaß und Freude am Tanzen erfahren und wieder einen Sinn für ihr Leben entdecken! Es kommt nicht selten vor, dass der Gedanke auftaucht: „Jetzt ist mein Leben vorbei, das war’s jetzt!“ Insofern trägt auch so eine WM wie diese in Hannover sehr dazu, diese Sparte mehr nach vorne zu bringen und hoffentlich auch dazu, dass mehreren Tanzclubs den Rollstuhltanz integriert. Immerhin trägt dieser Sport bei den Rollstuhlfahrer-und fahrerinnen wesentlich dazu bei, dass Ihre Kondition sich wesentlich steigert, und sie mehr Selbstbewusstsein und Sicherheit neben dem Sport auch im beruflichen Alltag erlangen. Insofern hat der Rollstuhlsport eine hohe integrative Funktion und schenkt in seiner Aktivität eine Eigenständigkeit und Unabhängigkeit,  wie sie ohne diesen nicht mit so viel Spass und Lebensfreude zu erlangen wäre.

Blockierende Gedanken?

Wenn ich mich dann zwischenzeitlich selbst ertappe mit trüben Grdanken oder mit inneneren Blockaden,- so denke ich mit Begeisterung an dieses phantastische und absolute inspirierende Ereignis dieser WM mit 21 teilnehmenden Nationen vom 7. November zurück:  Alle dort teilgenommenen Tanzsportler und -Sportlerinnen  sind  mir ein ganz lebendiges Vorbild, was es heisst, sich aus einer physischen und psychischen Blockade  zu befreien, sich wieder „in den Fluss“ zu bringen und sich mit Freude, inneren Ansporn und Biss sich zu motivieren und in Bewegung zu setzen! Schon in der Philosophie heisst es „Die Materie folgt dem Geist“ ! Was kann es als großer Fan des Tanzsports ungewöhnlich faszinierenderes geben als zu sehen, wie die Menschen in ihren Rollstühlen beispielsweise beim fetzigen Jive „die Halle rocken“ als tanzen sie um ihr Leben, beim mitreissenden Quick step rasend schnell über das Parkett fegen und das Publikum vor Begeisterung von ihren Rängen heben!

Deutsche Meisterschaft 2011

P.S.: Wer das einmal live miterleben möchte, kann sich schon mal den 2.-4-April 2011 als Termin vormerken für die Deutsche Meisterschaft im Rollstuhltanzen im brandenburgischen Rheinsberg. Ich werde wieder live vor Ort malen und plane eine Ausstellung mit meinen ca 20 bei der WM entstanden Live paintings.

Irene und Uwe tanzen für Österreich bei den German Classics 2011 Latein

Irene und Uwe tanzen für Österreich bei den German Classics 2011 Latein

 

Mal wieder Combi tanzen?

P.S.2: Danke Andrea, für unseren gemeinsamen Tanz auf dem Parket in der morgendliche Frühe! Das war wirklich „der Hammer“ und hat riesigen Spaß gemacht! War ja für mich als Tango Argentino Tänzerin auch ein total neues Erlebnis, mit Dir in Deinen total beweglichen Rollstuhl in dieser Drehfreudigkeit zu tanzen! Als ich dann um 3.50 Uhr früh morgens auf dem Weg nach Hause machte, ( es erwartete mich der Montag Morgen Design Büro Arbeitstag in meinem Atelier in 130 km Entfernung!) sprach mich noch eine Dame an, ob ich  die sogenannte „Kontaktimprovisation“ tanze und so was öfters mache. Ich blickte sie ganz verdutzt an… „Es hätte schon so gut ausgesehen!“ Wir sollte das in absehbarer Zeit wiederholen, Andrea! Du hast in mir eine Seite in Bewegung gesetzt und zum Klingen gebracht, die ich vor diesem ereignisreichen Tag mit all seinen Facetten so noch nicht erlebt hatte und ich somit hoffe, ein wenig meiner Eindrücke hier übermitteln zu können :O)

Ein Kommentar zu “Rollstuhltanz Weltmeisterschaft 2010 – vertreten von 21 Nationen! (10 Bilder)”

  1. Rashmi Patel DDS schreibt:

    Rashmi Patel DDS

    Rollstuhltanz Weltmeisterschaft 2010 – vertreten von 21 Nationen! (10 Bilder) – Ute Spingler – live painting

 

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