Für Gleichklang und innere Balance zwischen der Einheit „Pferd und Reiter“ – Schnupper-Seminar mit Bewegungstrainer Eckart Meyners

Westernreiterin auf Quarterhorse vor und während der Mobilisationsübungen

Westernreiterin Karin Dix auf ihrem Quarterhorse vor und während der Mobilisationsübungen

Wer kennt das nicht: Diese innere Steife als Reiter oder Tänzer, wenn man einen 8-stündigen Job am Schreibtisch hinter sich hat und mit dem Wagen nach Hause fährt und dann zum Reiten bzw. Training kommt: Die Muskeln sind noch kalt oder verspannt und wir wundern uns, warum unser Pferd nicht „durchlässig“ und „gelöst“ unter unserem Sattel schwungvoll vorranschreitet… . Nur die wenigsten kommen auf die Idee, die Ursachen nicht ausschliesslich beim Pferd zu suchen, welches natürlich auch seine Aufwärmphasen und die Gymnastizierung braucht, sondern bei sich als Reiter selbst. Aber wie mache ich das und was kann ich tun?

Das Aha-Erlebnis durch Selbsterfahrungen mit Eckart Meyners

Annika Albers auf Bojena

Annika Albers auf Bojena vor, während und nach den Mobilisationsübungen

Als  reitende und tanzende „Live-Malerin“ freute ich mich über die Gelegenheit, bei einem Kennenlern-Seminar mit dem Bewegungstrainer + Reitpädagogen Eckart Meyners, der auch Sportpädagoge an der Uni Lüneburg war, im Selbsttest neben meiner „Live-Malerei“ teilgenommen zu haben. Eingeladen hatten Manuela und Heiner Putensen, die gemeinsam den Deegen-Hoff in Toppenstedt betreiben und eine sehr geräumige Reithalle für die Praxis  zur Verfügung stellen konnten. Immerhin hatten durch das Losverfahren 3 Reiter die Möglichkeit, mit Ihren Pferden hautnah zu erfahren, was es heisst, z.B ihr Becken zu mobilisieren, ihre Blockaden zu lösen und selber ihre innere Beweglichkeit und Durchlässigkeit wieder zurück zu erlangen.

In die eigene Beweglichkeit kommen!

Gut 80 zuschauende Reiter (Trainer, Stall- und Pferdebesitzer sowie Pferdefreunde) befanden sich sitzend in der Halle und blickten mit großer Erwartungsfreude auf Herrn Meyners und das, was sich da jetzt wohl tut. Und ich baute noch schnell meinen kleinen mobilen Maltisch auf und legte meinen Aquarellpinsel+ Block zurecht, um gleich vor Ort farbige Bewegungsstudien von Pferd und Reitern gestalten zu können. Doch weit gefehlt: Erst einmal startete Eckart Meyners mit uns, indem wir selber einige Übungen unter seiner Anleitung durchführten, um die Wirkung am eigenen Leib zu erfahren. Das toppte jedwige theroretische Erklärungen!

Die Sache mit dem steifen Becken – DAS ungelöste Reiterproblem!

Wir starten mit einer Augenübung, die Bewegung einzuleiten: Unsere Augen sind in der Regel  allzuoft blockiert aufgrund von beispielsweise  stundenlanges, einseitiges Arbeiten am Computer.  Diese Startübung war für mich gleich etwas sehr praktisches, die jeder bei seiner täglichen Bildschirmarbeit leicht und schnell ausprobieren kann :O)  Wir stellen fest, das Aufstehen geht anschliessend leichter. Immerhin befinden wir uns während der Sitzposition 4x im rechten Winkel.  Aber nicht nur das Becken und die Ausrichtung unserer Augen sind steif: Auch machen wir gemeinsam Übungen mit den Zehen und erfahren, das sich der Kopf wieder leichter vor und zurück bewegen lässt. Als nächstes wurden wir aufgefordert, unseren Kopf abwechselnd von rechts nach links zu drehen und zu beobachten wie weit wir ihn herumdrehen können bzw. was uns auffällt. Ich merke deutlich, dass ich rechts sehr viel mehr eingeschränkter bin (ja, das Rückwärtseinparken lässt grüßen….), als wenn ich mich nach links drehe. Wir machten Übungen zur Mobilisation des Beckens und zur Förderung der Cross-Koordination mittels Trainierung der Kaumuskulatur und der Zunge.

Warum kleine Kinder krabbeln sollen und die körpereigenen Schwingungen wichtig sind!

Wir erfuhren, dass alle Bewegungen, die über Kreuz von uns ausgeführt werden, die Vernetzungen beider Gehirnhäften bewirken und unsere sogenannte „Cross-Koordination“ fördern! Daher ist das viele Krabbeln auf allen vieren für die Kleinen sehr wichtig. Und durch das Summer bekommen wir einen Eindruck, wie es sich anfühlt, die körpereige Schwingungen wieder herzustellen. Denn die Worte von Eckart Meyners waren:“: Ein guter Reiter ist, der sich sehr differenziert auf die Bewegungen des Pferdes einstellen kann!“
Der Reiter sollte fähig sein, sich den Bewegungen seines Pferdes anzupassen, anstelle es zu blockieren bzw. eignene Blockaden auf sein Pferd zu übertragen. Um es ganz deutlich in den Worten von Herrn Meyners ausudrücken: „Das ist aktiver Tierschutz!“ Denn : „Das Pferd ist kein in Leder gebundenes Sportgerät!“, sonder ein sehr sensitives Wesen, was uns spiegelt und auch auf das reagiert, was es durch unsere Bewegungen oder Blockaden als Reiter zu spüren bekommt.

Georg Strünkel+Destino nach den Mobilisationsübungen

Georg Strünkel+Destino nach den Mobilisationsübungen

Der nonverbale Dialog zwischen Pferd und Reiter

Als erster Reiter kommt Georg Stünkel in die Halle mit seinem großrahmigen Wallach Destino. Beide sind weitestgehend gut aufeinander abgestimmt, aber es gibt in Bezug auf Harmonie und Dialog zwischen Pferd und Reiter noch etwas zu verbessern. Er erfährt durch abwechselnde Bewegungs-Übungen am Boden sowie auf dem Mobilisations- Hocker „Balimo“, wie es sich vor den Übungen und danach auf und mit seinem Pferd anfühlt . Rauf – runter und wieder rauf und runter ist die Deviese. Ein Lächeln gleitet über sein Gesicht und Pferd und Reiter machen eine sichtlich gelösteren Eindruck, was auch an den fliessenden und schwungvolleren Bewegungen des Pferdes abzulesen ist.

Theorie in Kurzform

Welches „Geheimnis“ steckt dahinter? Eckart Meyners erklärte, ich benenne es in 4 Stichpunkte:

1.) Die Losgelassenheit des Reiters ist wichtig! Sowohl körperlich wie auch emotional – Ängste, welcher Art auch immer, blockieren!
2.) Das Gleichgewicht und der Rhythmus sind zu beachten! Denn: jeder Rhythmusfehler ist ein Gleichgewichtsfehler!
3.) Das Erlangen des Bewegungsgefühls ist unabdingbar!
4.) Das korrekte Geben der reiterlichen Hilfen für das Pferd sowie die reiterlichen Einwirkungen müssen stimmen“. Jede Art der Verspannung, z.B. die des Ober- und Unterschenkels, wirken sich negativ auf das Pferd aus. Werden die Fuss-Spitzen zu weit nach innen gedreht, lässt das den Unterschenkel verpannen, was sich wieder auf das Pferd überträgt.

Annika Albers auf Bojena

Annika Albers auf Bojena und bei einer Mobilisationsübung

Amazonen in der Praxis

Als nächstes haben jetzt 2 Frauen die Gelegenheit, ihr neu erlangtes Bewegungsgefühl aufgrund der Mobilisationsübungen durch Herrn Meyners bei sich und ihren Pferden zu erfahren. Annika Albers hat ihre Stute Bojena mitgebracht und die Westernreiterin Karin Dix  ihr Quarterhorse.

Westernreiterin auf Quarterhorse vor und während der Mobilisationsübungen

Westernreiterin Karin Dix auf Ihrem Quarterhorse vor und während der Mobilisationsübungen

Jetzt heisst es wieder: Mehrmals rauf und runter vom Pferd, auf die Pferdedecke und auf den Mobilisationstuhl und wieder spüren! Und wieder rauf und runter…. auch die beiden Amazonen strahlen und die Einheit „Pferd und Reiterin“ wirkte gelöster, entspannter und schwungvoller!

6 Punkte für gefühlvolles Reiten

Wir erfahren, weche Art von Muskeln, Sehnen, Gelenke etc. es zu mobilisieren gilt und was überhaupt möglich ist, in die Beweglichkeit zu bringen: Sei es neben dem Haupt-Blockadepunkt „Becken“,  das Kreuz-Darmbeingelenk oder der Brustwirbel- sowie der Hals-Nacken und Kaumuskelbereich. Das alles aufzuzählen würde meinen Bericht hier sprengen, aber wir sind nach einem sehr intensiven Abend reichhaltig mit Informtionen und eigenen Erfahrungen beschenkt worden und haben sehr vieles an Erkenntnissen mitgenommen! Wir genossen die Pause in stimmungvoller Atmosphäre und leckeren Snacks und Getränken durch die Familie Putensen. Die Organisation hatte perfekt geklappt und auch alle 80 Zuschauer hatten einen Sitzplatz. (Für die spontanen Abendbesucher wurden noch die benötigten Strohballen organisiert als gut funktionerende Improvisationshilfe :O)  Das Ganze Programm war sehr gut strukturiert und hatte einen sehr schönen Rahmen – vielen Dank !!! –  und wir gingen auf jeden Fall „innerlich beschwingter“ und „gelöst“ – und das nicht vom Alkohol !!! – nach Hause. Jetzt heisst es, das frisch Erfahrene in die eigene reiterliche Praxis umzusetzen. Vielleicht haben wir ja auch mal das Glück, Herrn Eckart Meyners als Trainer zu gewinnen, um in einer kleinen Gruppe hier vor Ort mit dem eigenen Pferd hautnah  den umfangreichen Übungsreigen mit den positiven Auswirkungen selber zu erfahren. Unser Pferd ist nach Herrn Meyners diesbezüglich unser bester Lehrmeister – Es spiegelt uns in allen Facetten!

2 Kommentare zu “Für Gleichklang und innere Balance zwischen der Einheit „Pferd und Reiter“ – Schnupper-Seminar mit Bewegungstrainer Eckart Meyners”

  1. Deegen-Hoff schreibt:

    Liebe Ute,

    danke für diese wundervolle Zusammenfassung und Beschreibung der Veranstaltung. Wir freuen uns immer, wenn unsere Veranstaltungen so gut angenommen werden und alle zufrieden nach Hause gehen. Sicher werden wir in 2011 erneut ein Seminar mit Herrn Meyners veranstalten, die Vorbereitungen laufen schon an. Wir würden uns freuen, dich und dein Malzeug dann auch wieder begrüßen zu dürfen. Vielleicht hast du ja auch Lust, zum Ponytag zu kommen – das ist etwas ganz Besonderes, so viele kleine Athleten in Kniehöhe wuseln zu sehen und wird dir sicher auch gefallen.

    Wir wünschen dir und deinem menschlichen wie tierischen Anhang einen guten Rutsch und für 2011 alles erdenklich Gute

    Manuela und Heiner

  2. Frank Mierwaldt schreibt:

    Hallo Ute, auf einem E.Meyners Seminar lernte ich das erste Mal seine Arbeit und auch Deine Arbeit kennen. Beides gefällt mir sehr gut.
    Herzlichst Frank Mierwaldt

 

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